Nurallao
Nurallao verbindet Natur, Archäologie und sardische Esskultur auf ungewöhnlich engem thematischem Raum. Zwischen bewaldeten Hügeln, Wasserfällen, prähistorischen Heiligtümern und Spuren römischer Siedlungen entsteht ein Reiseziel für alle, die ihren Aufenthalt nicht auf eine einzelne Sehenswürdigkeit beschränken möchten. Auch die lokale Küche trägt zur Eigenart des Ortes bei: Is tallarinus ist ein traditionelles Gericht, dessen Zubereitung ebenso charakteristisch ist wie die historischen Orte in der Umgebung.
Waldlandschaft und Wasserfall bei Funtana is Arinus
Ein besonders konkreter Naturort ist Funtana is Arinus, ein bewaldeter Park in den Hügeln der historischen Region Sarcidano. Der Park liegt wenige Kilometer vom Ortszentrum Nurallaos entfernt und ist von Eichen, Steineichen und mediterraner Macchia geprägt. Ein markierter Waldweg führt zum Hauptwasserfall und zu kleineren Kaskaden. Bei Funtana is Arinus bildet der Rio Sarcidano den 20 Meter hohen Wasserfall Su Craddaxioleddu. Damit lässt sich die Landschaft nicht nur als bewaldete Kulisse, sondern auch über ihren Wasserlauf und die Abfolge mehrerer Wasserstellen entdecken.
Archäologie von der Nuraghenzeit bis zur römischen Epoche
Das megalithische Gigantengrab von Aiodda liegt im Umland von Nurallao und wurde 1979 archäologisch ausgegraben. Seine besondere Form erinnert an ein umgedrehtes Boot; das Grab stammt aus dem 15. Jahrhundert v. Chr. Eine andere historische Spur führt zum nuraghischen Quellheiligtumstempel von Nieddìu, der in einem Waldgebiet liegt. Die römischen Überreste von Sa Bidda Becia umfassen Häuser, Straßen und Brunnen eines Dorfes und machen damit nicht nur einzelne Fundstücke, sondern die Struktur eines früheren Siedlungsortes sichtbar.
Im SAN – Spazio Archeologico Nurallao werden Funde aus römischen Bestattungen aufbewahrt, die im Jahr 2000 in der Ortslage Aravoras freigelegt wurden. Ergänzend verweisen die Thermen von Cannedu auf die Zeit vom 1. bis zum 3. Jahrhundert n. Chr. Wer verschiedene historische Ebenen miteinander vergleichen möchte, findet in Nurallao somit sowohl monumentale Anlagen als auch Zeugnisse des Alltags, religiöse Orte und archäologische Funde.
Industriegeschichte und lokale Erinnerung
Neben den älteren Epochen gehört auch die jüngere Arbeitsgeschichte zum Ortsbild. Die Kalköfen von Nurallao bewahren die Erinnerung an eine frühere Arbeitertradition. Funtan’e Susu ist eine Stätte der Industriearchäologie im Zusammenhang mit den stillgelegten Steinbrüchen von Niachili. Diese beiden Orte erweitern den Blick über die klassische Antike hinaus und zeigen, dass die Geschichte Nurallaos auch durch Arbeit, Rohstoffe und aufgegebene Produktionsstätten geprägt wurde.
Is tallarinus: ein Gericht aus Nurallao
Zur örtlichen Besonderheit gehört Is tallarinus, ein traditionelles Gericht aus Nurallao. Dünne, handgemachte Spaghetti werden in Fleischbrühe gekocht und anschließend mit Käse und Safran im Ofen überbacken. Die Zutaten und die Zubereitung geben dem Gericht eine eigene Form und machen es zu einem kulinarischen Ausdruck des Ortes. Zusammen mit den archäologischen und industriellen Schauplätzen entsteht so ein vielseitiges Bild von Nurallao: Naturerlebnisse, mehrere historische Zeitschichten und eine unverwechselbare lokale Spezialität stehen nebeneinander.
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